Die Reise beginnt…

24 Tage dauerte unsere Reise. Mit dem Flugzeug über Istanbul (Türkish Airline- empfehlenswerte Airline), jedoch würde ich einen Direktflug, allein schon wegen des Zeitverlustes, bei der nächsten Reise vorziehen.

24 Tage a 24 Stunden -  auch ausreichend Zeit sich wieder auf Deutschland zu freuen (Stille kann so schön sein).

Erster Eindruck bei der Ankunft bzw. dem Verlassen des Flughafens in Delhi gegen 04.00 Uhr in der Frühe: Smog, graue aus dem Boden gestampfte Neubauten mit einer noch unansehnlicheren sie umgebenden Infrastruktur. Trotz des freundlichen Empfangs durch unseren Guide und dem wohlriechenden Blumengebinde um meinen Hals, stellte sich eine übernächtigte Ernüchterung ein. Kein “Tiger von Eschnapur” und kaum “grün” für meine Augen.

Schlafen im recht komfortablen Reisebus ist für mich kaum möglich – aufmerksames Verfolgen des Straßenverkehrs führt unweigerlich zu Herzrhythmusstörungen (meine Herzenzyme sind heute noch erhöht).

Ein Satz zum anscheinend “regelfreien”, aber nicht auf der Kraft des Stärkeren beruhenden Straßenverkehrs, sollte erlaubt sein. Der Name des Flugzeuges, welches uns nach Delhi brachte war ” Batman”. Wir befanden uns definitiv nicht in “Gotham City”- nur unser freundlicher Busfahrer  vergaß des Öfteren, welches Gefährt er führte und seine “The Dark Knight” Attitüden führten mir die Einmaligkeit und mögliche Kurzlebigkeit meines Lebens, das eine oder andere Mal schmerzhaft vor Augen. Wahrscheinlich sollte man als Insasse eines Busses in Indien  ein Hindu sein, so zu sagen in Vorfreude auf die nächste Reinkarnation oder frei nach Descartes “Ich fahre Bus – also bin ich”. Auch wenn mir diese Fahrweise manchmal den Atem genommen hat, so haben wir  auf dieser 3800km langen Tour nur 3 umgestürzte  TATA´s und zwei zerfetzte Kühe  gesehen.

Gebucht hatten wir “Rajasthan und der Norden Indiens” mit World  Insight (empfehlenswert). Gefühlte 1000 Stunden Busfahrt, wobei man  jedoch sagen muss – dass allein die Busfahrt einerseits ein Abenteuer und andererseits recht interessant und informativ war. Jede Stadt, jeder Palast, ob nun in Mogul oder Rajputenhand, zeugten von einer glorreichen Vergangenheit und Verschwendung – heute leider z.T. von Verfall und Siechtum.

Fast alle Tiere scheinen heilig zu sein, wir befinden uns mit höchster Wahrscheinlichkeit im Ursprungsland der Vegetarier. Die Jains z.B. eine kleine Religionsgruppe (4,4 Mio.) sind ausschließlich Vegetarier. Sie tragen sogar einen Mundschutz, so dass sie nicht zufällig ein Insekt verschlingen (“Karl der Käfer” wird es ihnen danken). Und auch hier muss ich eingestehen, es geht auch ohne Fleisch – die Gerichte sind lecker und abwechslungsreich, man kann schmerzhaft scharf  bestellen- muss es aber nicht. Auch schießen einem keine Tränen ins Auge beim Bezahlen der Rechnung. Alkohol ist vorrätig, jedoch überschaubar – nicht unbedingt ein Nachteil.

24 Tage sind eine überschaubare Zeit und ich habe natürlich auch Fleischgerichte zu mir genommen – mitunter mit durchschlagendem Erfolg. Bei Getränken empfehle ich den einheimischen Rum und Lassi – ob ihr das getrennt oder kombiniert konsumiert überlasse ich euch gern selbst.

Kommen wir vom Essen wieder zu den heiligen Tieren. Mit Sicherheit sind Kühe, Wasserbüffel, z.T. Affen und Ratten heilig. Kamel und Pferd sind wohl in erster Linie Nutz – und Lasttiere und erst in zweiter Linie Filetlieferant. Ich denke es war AGRA, wo es nach einem Schlachthof für Wasserbüffel aussah. Dies wurde von unserem Guide sofort als “Fata Morgana” klassifiziert, wobei ich wiederum davon überzeugt bin, dass der eine oder andere Büffel doch nur 1000 und 1 Nacht erlebt. Schweine gibt es überall –  nur nicht im Stall. Wer sieht, was und wo die Borstenviecher fressen, tendiert deutlich zu Hühnergerichten. Das Huhn als solches wird in” Bodenhaltung” auf das Jenseits vorbereitet-  erzählte uns unsere Guide – hatte ich schon erwähnt, dass ich noch an den Klapperstorch glaube. Die Aussage bezüglich der Hühner wurde nur  noch im Bezug auf permanentes Recycling getoppt. Natürlich wird jedes Plastikbehältnis sorgsam gesammelt und der Werkstoffkette zurückgeben oder direkt am Straßenrand verbrannt. Die Inder stehen in dieser Hinsicht kurz hinter den vorbildlichen Chinesen, bei denen ja die Männer schon mit gelben Säcken geboren werden.

Ansonsten scheint das Verhältnis zum Reich der Mitte doch recht angespannt.  Im Bezug auf das Bruttoinlandsprodukt hat China die Nase vorn, doch wenn die Inder erst einmal 2 Mrd. Einwohner haben, spätestens dann wendet sich das Blatt. Also China – wir kommen – die Macht und der Nano sind mit uns und der eine oder andere atomare Sprengkopf.

Zurück nach Indien….    Teil 2 auf diesem Bildschirm

 

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Eine Antwort auf Die Reise beginnt…

  1. Bei den Vorbereitungen für die Öffentlichkeitsarbeit für Ihre bevorstehende Ausstellung gelangt man unweigerlich auf Ihre Website. Neben den tollen Fotos gibt es auch noch die Reisebeschreibung die einfach lesenswert ist. Ich bin begeistert.

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