Die heilige Kuh

Bevor ich mit der Reisebeschreibung fortfahre, noch ein paar Gedanken zum allerheiligsten Tier der Hindus- die Kuh. Sie war überall unser Begleiter, vielleicht mit Ausnahme der Hotelzimmer. Sei es durch die hinduistische Mythologie oder der Auf- bzw. Verklärung durch Mohandas Karamchand Gandhi, der großen Seele Indiens.  Die Kuh steht im Zentrum der Gesellschaft, mit Sicherheit nicht in einem Stall, geschweige denn in einem Schlachthof. Wie Nomaden ziehen sie umher, zwar verehrt, aber selten gefüttert.

Die heilige KuhIn den Städten grasen sie sich durch den Müll, blockieren die Straßen und versperren mit unter die kleinen Gassen zwischen den Häusern. Eine unserer Mitreisenden musste dies schmerzhaft am eigenen Leib erfahren. Auch ein Gerippe von Kuh verfügt immer noch über eine gehörige Schubkraft und bahnt sich so mühelos den Weg zwischen den Touristenströmen. Man kann diese armen Kreaturen nicht mit den Stieren in Pamplona vergleichen nur das alte physikalische Gesetz “wo ein Körper ist kann kein anderer sein” können sie wahrlich meisterhaft umsetzen. Jedenfalls wurde unsere” Knü” von einer Kuh umgerissen. Die Kuh war impulsiver und auch Sieger. Knü war daraufhin einige Minuten nicht ansprechbar und der Arm gebrochen. Alle haben sich rührend um sie gekümmert. Also um Knü, nicht um die Kuh. Besonders eine mitreisende Krankenschwester, die man wohl frei nach Unheilig als “Geboren um zu pflegen” betiteln könnte, gab ihr Bestes bzw. gab es vor. Zum Glück war da noch die langjährige Freundin Ike, welche dann wirklich als Stütze fungierte.

Warum wird nun die Kuh so verehrt? Weil sie so viele Dinge an ihre Umwelt und gerade an die Armen und Ärmsten kostenlos abgibt. Sei es die Milch, sei es der Dung, welcher als Mörtel und Brennstoff verwendet wird und natürlich auch das Leder – zwar im höchsten Maße “unrein” und doch so wichtig.

War die erste Kuh mitten auf der Straßenkreuzung unterhalb des Amberforts noch eine Besonderheit, so entwickelte sich dieses Straßenbild mit der Zeit zur Normalität, so dass wir sie daheim in Deutschland fast vermissten.

 

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